BLOG MEI­NUNG

Die Absicht der klas­si­schen jour­na­li­sti­schen Mei­nungs­äu­sse­rung ist, zu einem tie­fe­ren Ver­ständ­nis eines Ereig­nis­ses oder einer Ent­schei­dung zu füh­ren, indem sie Tat­sa­chen in Zusam­men­hän­ge stellt sowie deren Umstän­de und Hin­ter­grün­de unter­sucht und ein­schätzt. So beschreibt die Theo­rie das Wesen des Kom­men­tars im moder­nen Jour­na­lis­mus. In der Pra­xis frei­lich sieht es anders aus: Was heu­te in vie­len ana­lo­gen und digi­ta­len Publi­ka­tio­nen als Mei­nung daher­kommt, ist nicht sel­ten nur per­sön­li­che Befind­lich­keit, Pro­pa­gan­da, Des­in­for­ma­ti­on und im schlimm­sten Fall Hass und Hetze.

Pro­pa­gan­da, Faken­ews und Het­ze: Das gab es – mit fata­len Fol­gen – auch schon zu frü­he­ren Zei­ten. Doch mit Face­book & Co. und immer zahl­rei­che­ren pseu­do­jour­na­li­sti­schen Online-Medi­en sind wir die­sem Übel heu­te mehr denn je aus­ge­setzt. Obwohl die Men­schen über einen noch nie dage­we­se­nen Zugang an Wis­sen und Infor­ma­ti­on ver­fü­gen, brei­ten sich Irr­glau­ben, abstru­se Welt­bil­der, soge­nann­te alter­na­ti­ven Wahr­hei­ten und Unwis­sen­heit in einem zuwei­len beäng­sti­gen­den Aus­mass aus.

Es gibt kei­ne abso­lu­ten Wahr­hei­ten. Aber es gibt ein auf über­prüf­ba­re Fak­ten und auf nach­voll­zieh­ba­re Argu­men­te grün­den­des Räso­nie­ren und Debat­tie­ren mit dem Ziel, zu rea­li­sti­schen Erkennt­nis­sen zu gelan­gen. Den Rah­men dafür geben die uni­ver­sel­len Men­schen­rech­te, die nicht ver­han­del­ba­ren Grund­prin­zi­pi­en der Demo­kra­tie und die von Ratio­na­li­tät gelei­te­te Wis­sen­schaft vor.

Die­ser Weg der Wahr­heits­su­che schliesst Fehl­ein­schät­zun­gen nicht aus. Aber er ist Vor­aus­set­zung für das, was wir unter der Auf­klä­rung ver­ste­hen: die Befrei­ung des Men­schen aus „sei­ner selbst­ver­schul­de­ten Unmün­dig­keit“ (Imma­nu­el Kant) durch den Gebrauch von Ver­stand und Ver­nunft. Dar­an will ich mich bei mei­nen Mei­nungs­äu­sse­run­gen orientieren. 

Wal­ter Lan­gen­eg­ger, Juni 2022 

Min­dest­lohn auch in Bern

Die Städ­te Zürich und Win­ter­thur gin­gen vor­an, nun folgt die Stadt Bern: Nach­dem erste­re sich im letz­ten Jahr an der Urne über­ra­schend klar für einen gesetz­li­chen Min­dest­lohn aus­ge­spro­chen haben, lan­ciert nun auch die Lin­ke in der Haupt­stadt eine ent­spre­chen­de Initia­ti­ve. Und das ist gut so. Denn die Sozi­al- und Ver­tei­lungs­po­li­tik muss in den Städ­ten wieder […]

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KVG: Jetzt Not­brem­se ziehen!

Das Ver­spre­chen von 1996 blieb uner­füllt: Das auf neo­li­be­ra­le Markt­lo­gik basie­ren­de Kran­ken­ver­si­che­rungs­ge­setz (KVG) brach­te dem Gesund­heits­we­sen nicht Effi­zi­enz und Kosten­kon­trol­le, son­dern einen Pseu­­do-Wet­t­­be­­werb mit Prä­mi­en­ex­plo­si­on. Leid­tra­gen­de ist die Mit­tel­klas­se, die finan­zi­ell unter Druck gerät. Die Prä­­mi­en­en­t­la­­stungs-Initia­ti­­ve der SP bie­tet nun die Chan­ce, am 9. Juni die Not­brem­se zu zie­hen, eine sozia­le­re Finan­zie­rung durch­zu­set­zen und längst […]

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Demo­kra­tie nach Gutdünken?

Die bür­ger­li­che Mehr­heit schlägt in jüng­ster Zeit einen staats­po­li­tisch frag­wür­di­gen Kurs ein: Immer häu­fi­ger biegt sie Ple­bis­zi­te und demo­kra­ti­sche Ent­schei­de, die ihr nicht in den Kram pas­sen, nach ihrem Wil­len zurecht – not­falls gegen eta­blier­te Ver­fah­rens­re­geln, Bun­des­ver­fas­sung und Volks­wil­len. Demo­kra­tie ja – aber nur von Fall zu Fall? Hier fin­det eine gefähr­li­che Ero­si­on demo­kra­ti­scher Gesin­nung statt. […]

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Bevöl­ke­rung will Gerechtigkeit

Etwas ist im Staa­te Schweiz gesche­hen; etwas hat sich bewegt, sich ver­scho­ben. Dass die 13. AHV-Ren­te eine Mehr­heit fin­den wür­de, war noch vor kur­zem undenk­bar. Nie zuvor war es der Lin­ken ver­gönnt, mit einer Volks­in­itia­ti­ve mehr sozia­le Gerech­tig­keit durch­zu­set­zen. Und jetzt dies: Fast 60 Pro­zent fol­gen den Gewerk­schaf­ten, der Sozi­al­de­mo­kra­tie und den Grü­nen und pulverisieren […]

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