Das Gegen­mit­tel zum Faschismus

Uns droht ein Zeit­al­ter des Faschis­mus. Wie ein Virus infi­ziert er die west­li­chen Demo­kra­tien. Die Wur­zeln die­ses Übels lie­gen im Neo­li­be­ra­lis­mus – er brach­te extre­me Ungleich­heit, sozia­len Abstieg und Zukunfts­äng­ste. Des­halb müs­sen die demo­kra­ti­schen Kräf­te genau hier anset­zen: den Faschis­mus bekämp­fen – mit einer sozi­al gerech­ten Wirt­schafts­po­li­tik und einer fai­ren Ver­tei­lung des Wohl­stan­des. So wür­de ihm der Nähr­bo­den entzogen.

Febru­ar 2025. Die Ent­wick­lung ist beklem­mend: Ein euro­päi­sches Land nach dem ande­ren fällt der extre­men Rech­ten in die Hän­de. Flacker­te der Faschis­mus nach der Jahr­tau­send­wen­de zunächst meist nur in den ehe­ma­li­gen Ost­block­staa­ten auf, so ist heu­te West­eu­ro­pa Opfer sei­nes Vor­mar­sches – aus­ge­rech­net jener Teil des Kon­ti­nents also, der glaub­te, die Leh­ren aus Natio­nal­so­zia­lis­mus und Rechts­extre­mis­mus gezo­gen zu haben.

Beflü­gelt durch Donald Trumps Wahl zum US-Prä­si­den­ten, rufen Euro­pas Faschi­sten denn auch bereits ein neu­es, auto­ri­tä­res Zeit­al­ter aus – ein Zeit­al­ter der kru­den Macht­po­li­tik, der nichts hei­lig ist. Weder Frei­heit noch Fair­ness. Weder Men­schen­rech­te noch Selbst­be­stim­mung. Weder Umwelt noch Kli­ma. Nichts.

Hel­fers­hel­fer des Faschismus

Ihre Hel­fers­hel­fer sind dabei stets die glei­chen: die eta­blier­ten kon­ser­va­ti­ven und bür­ger­li­chen Par­tei­en. Ob in Ita­li­en, Schwe­den, den Nie­der­lan­den oder Deutsch­land – über­all ver­ab­schie­den sich die einst ver­meint­li­chen Garan­ten von Demo­kra­tie, Rechts­staat und Men­schen­rech­ten von ihren Prin­zi­pi­en, koalie­ren mit rechts­extre­men Par­tei­en und ebnen ihnen den Weg zur Macht und in die Mit­te der Gesellschaft.

Die Brand­mau­er gegen den Faschis­mus ent­puppt sich als Illu­si­on. Im Zwei­fels­fall mar­schie­ren die bür­ger­li­chen Kräf­te lie­ber mit illi­be­ra­len Par­tei­en, als sich mit der demo­kra­ti­schen Lin­ken zu ver­bün­den. Denn in einem zen­tra­len Poli­tik­feld unter­schei­den sich Bür­ger­li­che und Rechts­extre­me kaum: Bei­de ver­tre­ten eine Wirt­schafts­po­li­tik, die auf Markt­ra­di­ka­li­tät beruht, Unter­neh­men und Kapi­tal freie Hand gewährt und ein Staats­kon­zept pro­pa­giert, das die öffent­li­che Hand als Erfül­lungs­ge­hil­fin der Wirt­schafts­in­ter­es­sen sieht – not­falls auch auf Kosten der Bevöl­ke­rung und der Ökologie.

Kata­stro­phe mit Ansage

Dar­um erstaunt es nicht, dass der Virus des Faschis­mus heu­te epi­de­misch auf­tritt. Die Kata­stro­phe war bereits kurz nach dem Zusam­men­bruch des Sowjet­kom­mu­nis­mus vor­aus­seh­bar. Denn mit ihm trat eine neue Ver­hei­ssung auf den Plan, vor der Kri­ti­ker lan­ge ver­geb­lich gewarnt hat­ten: die Ideo­lo­gie des Neo­li­be­ra­lis­mus. Ihr trü­ge­ri­sches Ver­spre­chen: Wohl­stand durch Ent­fes­se­lung der Markt­kräf­te, frei­en Han­del sowie rigo­ro­sen Steu­er- und Staatsabbau.

Heu­te wis­sen wir: Der Neo­li­be­ra­lis­mus schaff­te zwar Wachs­tum, aber noch mehr schuf er unge­heu­re Ungleich­heit mit vie­len Ver­lie­rern und weni­gen Gewin­nern. Die Pro­fi­teu­re sind in extre­mem Mas­se Ban­ken, Kon­zer­ne und Tech-Gigan­ten, kapi­tal­star­ke Inve­sto­ren, Mega­rei­che und Erb­schafts­mil­li­ar­dä­re. Sie bil­den einen neu­en Geld­adel, wie es ihn nie zuvor gege­ben hat. Sie sind unvor­stell­bar reich, üben oft ohne demo­kra­ti­sche Legi­ti­ma­ti­on poli­ti­sche Macht aus und kon­di­tio­nie­ren das Leben von Mil­li­ar­den Menschen.

Musk – die Spit­ze der Absurdität

Die­se Absur­di­tät per­so­ni­fi­ziert sich in Elon Musk: Aus­ge­stat­tet mit 400 Mil­li­ar­den Dol­lar Ver­mö­gen und faschi­sto­iden All­machts­fan­ta­sien berauscht er sich der­zeit dar­an, die Demo­kra­tie und ihre Insti­tu­tio­nen in den USA zu zer­trüm­mern. Selbst ein Pro­dukt des Neo­li­be­ra­lis­mus, läu­tet Musk nun des­sen letz­te Pha­se ein und macht ihn voll­ends zum Werk­zeug von Will­kür­herr­schaft und Autokratie.

Die Mär vom «Wan­del durch Handel»

Auto­kra­tie pur ist auch das, was der Neo­li­be­ra­lis­mus glo­bal ange­rich­tet hat. Einst stell­te er mit der For­mel «Wan­del durch Han­del» in Aus­sicht, dass die Welt dank wirt­schaft­li­chen Aus­tauschs mit auto­ri­tä­ren Regi­men demo­kra­ti­scher und siche­rer wer­de. Doch das Gegen­teil geschah: Der Neo­li­be­ra­lis­mus brach­te Staa­ten wie Chi­na, Russ­land und Indi­en Inve­sti­tio­nen, Arbeits­plät­ze und Tech­no­lo­gie – aber kei­nen Gei­stes­wan­del. Je rei­cher sie wur­den, desto tota­li­tä­rer und anti­de­mo­kra­ti­scher wur­den sie.

Gleich­zei­tig hat der Neo­li­be­ra­lis­mus den Westen enorm ver­letz­lich gemacht. Die Abhän­gig­keit der Demo­kra­tien von Auto­kra­tien hat sich erhöht – und nicht umge­kehrt, wie ver­spro­chen. Die Auto­kra­tien sit­zen oft am län­ge­ren Hebel – etwa Russ­land mit sei­nen Roh­stof­fen oder Chi­na mit sei­ner Fer­ti­gungs­in­du­strie – und miss­brau­chen den Zugang zum Welt­markt, um ihre poli­ti­sche und mili­tä­ri­sche Hege­mo­nie auszubauen.

Gebeu­tel­te Mit­tel­schicht im Westen

Den höch­sten und schmerz­haf­te­sten Preis für den Neo­li­be­ra­lis­mus aber zahl­te die brei­te Bevöl­ke­rung in den Län­dern des Westens – ins­be­son­de­re die unte­re Mit­tel­schicht mit beschei­de­ner Bil­dung und mässi­gen Berufs­chan­cen: von der Ver­käu­fe­rin über die Ser­vice­an­ge­stell­te bis zur Rei­ni­gungs­kraft, vom Chauf­feur über den Logi­sti­ker und den Kran­ken­pfle­ger bis hin zur Fach­kraft sowie dem Klein­un­ter­neh­mer und den Selb­stän­dig­er­wer­ben­den. Sie sind die gro­ssen Ver­lie­rer von Dere­gu­lie­rung, Pri­va­ti­sie­rung und Globalisierung.

Dies geschah einer­seits, indem Aber­mil­lio­nen einst ordent­lich bezahl­ter Jobs in der Indu­strie und im Dienst­lei­stungs­sek­tor in Bil­lig­lohn­län­der des Südens und des Ostens ver­la­gert wur­den. Und ande­rer­seits, indem die neo­li­be­ra­le Poli­tik die Zuwan­de­rung von Men­schen aus armen Län­dern in die rei­chen Volks­wirt­schaf­ten befeu­er­te – was vor allem in jenen Staa­ten zu Lohn­druck und Kon­kur­renz führ­te, die kei­ne sozia­len Mass­nah­men zum Schutz des Arbeits­mark­tes ergriffen.

In der Euro­päi­schen Uni­on ver­lief die­ser Pro­zess schlei­chend und führ­te zu sta­gnie­ren­den Ein­kom­men, Jugend­ar­beits­lo­sig­keit und wach­sen­der Pre­ka­ri­sie­rung. In den USA, mit einer tra­di­tio­nell ohne­hin schwa­chen sozia­len Absi­che­rung, traf es die Mit­tel­schicht mit vol­ler Wucht – ins­be­son­de­re im Rost­gür­tel. Aus­la­ge­rung, Out­sour­cing und der Aus­ver­kauf gan­zer Indu­strie­zwei­ge hin­ter­lie­ssen Fabrik­rui­nen, Mas­sen­ar­beits­lo­sig­keit und wach­sen­de Verzweiflung.

Kom­pli­zen im Ungeist

Das ist fatal für wohl­ha­ben­de, demo­kra­ti­sche Gesell­schaf­ten. Wer trotz Arbeit und Fleiss nicht vom Fleck kommt, fühlt sich gede­mü­tigt. Wer fürch­tet, dass es sei­nen Kin­dern der­einst nicht bes­ser, son­dern schlech­ter gehen wird, ver­liert den Glau­ben an die Zukunft. Und wer sozi­al absteigt und Angst haben muss, sein Stück­chen Wohl­stand zu ver­lie­ren, sucht Schul­di­ge. So wird die Demo­kra­tie von innen her­aus zer­setzt und die Men­schen wer­den anfäl­lig für auto­ri­tä­re Poli­tik. Genau das ist der Nähr­bo­den, auf dem Faschis­mus wächst.

Der Neo­li­be­ra­lis­mus ent­puppt sich damit als Kom­pli­ze des Faschis­mus. Was er gesät hat, ern­tet nun der ande­re: beäng­sti­gen­de Wahl­sie­ge, die aus dem Gefühl vie­ler Men­schen ent­ste­hen, bedroht zu sein und nicht das zu erhal­ten, was ihnen zusteht. Das ist die Wun­de, in die der Faschis­mus hin­ein­sticht, indem er ver­spricht, die Kon­trol­le über das eige­ne Leben und das eige­ne Land zurück­zu­ho­len und die ver­meint­lich Ver­ant­wort­li­chen zur Rechen­schaft zu ziehen.

Die Lüge des Faschismus

Doch das ist eine Lüge. Der Faschis­mus bringt kei­ne Hei­lung, son­dern Ver­blen­dung. Er benennt die wah­ren wirt­schafts­po­li­ti­schen Ursa­chen nicht, die zu Migra­ti­on, Ver­lust­äng­sten und sozia­lem Abstieg füh­ren, son­dern lenkt viel­mehr davon ab. Er tut dies, indem er eine angeb­lich homo­ge­ne Mehr­heit von «nor­ma­len, hart arbei­ten­den Men­schen» als Opfer von Min­der­hei­ten dar­stellt: von eth­ni­schen, geschlecht­li­chen und poli­ti­schen Grup­pen, die der Mehr­heit ver­meint­lich einen ande­ren Lebens­stil auf­zwin­gen und sie aus­nut­zen wol­len. Das ist das toxi­sche Nar­ra­tiv des Faschismus.

Das funk­tio­niert – und zwar lei­der fürch­ter­lich gut. Die Het­ze gegen Migran­tin­nen und Migran­ten, Flücht­lin­ge, que­e­re Men­schen, Femi­ni­stin­nen und «Links-Grün-Ver­siff­te» sowie gegen LGBTQ, Woke­ness, Anti-Ras­sis­mus und «MeToo» lie­fert Sün­den­böcke und sug­ge­riert, dass sich die­se Grup­pen Ansprü­che und Rech­te her­aus­neh­men wür­den, die die Mehr­heit benach­tei­lig­ten und deren Leben ver­schlech­ter­ten. Und je schril­ler die Debat­te dar­über tobt, desto mehr ver­dich­tet sich bei vie­len, vor­ab ent­täusch­ten und unpo­li­ti­schen Men­schen der Anschein, dass dem tat­säch­lich so ist.

Das macht es schwie­rig, den Faschis­mus bei die­sen The­men zu bekämp­fen. Migra­ti­on ist seit jeher ein Reiz­the­ma für Gesell­schaf­ten, die unter Druck ste­hen und mit Ungleich­heit und Wohl­stands­ge­fäl­le rin­gen. Und die Anlie­gen von eth­ni­schen, gesell­schaft­li­chen und sexu­el­len Min­der­hei­ten sind – mögen sie noch so legi­tim und gerecht­fer­tigt sein – vom All­tags­le­ben der Mehr­heit der Men­schen meist so weit ent­fernt, dass sie oft auf Unver­ständ­nis sto­ssen und pro­vo­ka­tiv wir­ken. Bei­des ist somit prä­de­sti­niert für rechts­extre­men Populismus.

Faschis­mus demaskieren

Umso mehr sind die demo­kra­ti­schen Kräf­te gefor­dert, den Faschis­mus auf ein ande­res Ter­rain zu zwin­gen – näm­lich dort­hin, wo die tat­säch­li­chen Sor­gen der brei­ten Bevöl­ke­rung lie­gen: bei sta­gnie­ren­den Löh­nen, schwin­den­der Kauf­kraft, Woh­nungs­not, stei­gen­den Mie­ten, wach­sen­den Lebens­hal­tungs- und Gesund­heits­ko­sten, sin­ken­den Ren­ten und dem fort­schrei­ten­den Abbau des Ser­vice public. Hier, bei die­sen The­men, lie­gen die Mehr­hei­ten, die es braucht, um die Demo­kra­tie zu ver­tei­di­gen und den Faschis­mus zu stoppen.

Den Men­schen muss bewusst gemacht wer­den, dass ihr dif­fu­ses Unbe­ha­gen berech­tigt ist – dass die Ursa­chen jedoch nicht in Migra­ti­on, Kul­tur­kampf und Iden­ti­täts­po­li­tik lie­gen, son­dern in einer Wirt­schafts­ord­nung, die den von uns allen gemein­sam erwirt­schaf­te­ten Wohl­stand immer unglei­cher ver­teilt und in die Hän­de einer klei­nen Ober­schicht lenkt. Des­halb muss der öffent­li­che Dis­kurs viel stär­ker auf Fra­gen der Ver­tei­lungs­ge­rech­tig­keit aus­ge­rich­tet und offen­ge­legt wer­den, wor­an das System in Tat und Wahr­heit krankt.

Gelingt dies, wird der Faschis­mus demas­kiert. Denn dann muss er erklä­ren, wes­halb er die Migra­ti­on ver­teu­felt, nicht aber die Wirt­schaft, die die Zuwan­de­rung erst ver­ur­sacht – weil sie lie­ber gün­sti­ges Per­so­nal aus dem Aus­land ein­stellt als Ein­hei­mi­sche. Oder war­um er stets vom «arbei­ten­den Volk» spricht, aber nichts gegen Lohn­dum­ping unter­nimmt, statt­des­sen jedoch Min­dest­löh­ne und Tarif­ver­trä­ge bekämpft. Oder war­um er der Mit­tel­schicht den Abbau von Ren­ten und öffent­li­chen Dienst­lei­stun­gen zumu­tet, wäh­rend er Mil­li­ar­dä­ren und der finanz­star­ken Ober­schicht Steu­er­pri­vi­le­gi­en gewährt.

Das Porte­mon­naie zählt

Wer es daher ernst meint mit der Ver­tei­di­gung der Demo­kra­tie, for­dert zual­ler­erst eine sozia­le Wirt­schafts­po­li­tik oder das, was man frü­her, zu West­eu­ro­pas bes­se­ren Zei­ten, sozia­le Markt­wirt­schaft nann­te. Eine Wirt­schafts­po­li­tik, die mit einer Rück­ver­tei­lung von oben nach unten, einem gerech­ten Steu­er­sy­stem und einer Dis­zi­pli­nie­rung der Kon­zer­ne dafür sorgt, dass den Leu­ten mit nor­ma­lem Ein­kom­men am Ende des Monats mehr Geld in der Tasche bleibt, dass ihre Kin­der eine gute Aus­bil­dung bekom­men, die Gross­el­tern eine anstän­di­ge Ren­te haben und der Staat da ist, wenn man ihn braucht. Eine sol­che Poli­tik bräch­te das Grund­ver­trau­en und den Zukunfts­glau­ben zurück, die der Neo­li­be­ra­lis­mus zer­stört hat, und wäre die drin­gend benö­tig­te kraft­vol­le Ant­wort auf den Faschismus.

Joe Biden, wohl der beste US-Prä­si­dent der jün­ge­ren Zeit, hat­te das erkannt: Er brach mit der Markt­gläu­big­keit und lan­cier­te eine keyne­sia­ni­sche Wirt­schafts­po­li­tik mit Mil­li­ar­den­in­ve­sti­tio­nen in Infra­struk­tur und Kli­ma­schutz sowie der För­de­rung der Mit­tel­schicht. Doch sein Pech war, dass er zu spät kam und Prä­si­dent einer Nati­on war, die durch den Faschis­mus und den Kul­tur­kampf der radi­ka­li­sier­ten Repu­bli­ka­ner demo­kra­tie­po­li­tisch und intel­lek­tu­ell bereits zu stark ver­gif­tet und zer­rüt­tet wor­den ist.

Die «Fünf­te Kolon­ne» in Europa

Das­sel­be Schick­sal droht auch Euro­pa. Trumps rechts­extre­me «Fünf­te Kolon­ne» mar­schiert bedroh­lich vor­an, ange­führt von Orbán, Melo­ni, Kickl, Wei­del, Wil­ders, Le Pen und Fara­ge. Sie säen Zwie­tracht, spal­ten die Gesell­schaft und ködern eine gebeu­tel­te Mit­tel- und Unter­schicht mit dem Ver­spre­chen von natio­na­ler Grö­sse, wäh­rend sie hin­ter den Kulis­sen mit Kon­zer­nen, Geld­adel und ein­fluss­rei­chen Eli­ten pak­tie­ren – ganz so, wie es der Faschis­mus schon vor 80 Jah­ren tat.

Noch stemmt sich ein erheb­li­cher Teil der Bevöl­ke­rung gegen den Rück­fall in eine dunk­le Zukunft. Dass die sozia­le Gerech­tig­keit dabei eine wirk­sa­me Waf­fe ist, belegt nicht zuletzt die stock­bür­ger­li­che Schweiz: In der jüng­sten Zeit gelang es, mit Initia­ti­ven zur Gesund­heits­ver­sor­gung, zum Lohn­schutz und zur Alters­vor­sor­ge sowie mit Refe­ren­den gegen den Abbau von Ren­ten und Mie­ter­schutz brei­te Unter­stüt­zung für Ele­men­te einer sozia­len Wirt­schafts­po­li­tik zu gewin­nen – und dies trotz des Wider­stands eines immer aggres­si­ver agie­ren­den rech­ten Mehr­heits­blocks aus SVP und FDP.

Doch die Zeit drängt: Das Tor zur Höl­le wird sich in Euro­pa nur dann nicht wei­ter öff­nen, wenn die Lin­ke sich nicht in frucht­lo­sen Kul­tur­kämp­fen ver­stricken lässt und wenn in der demo­kra­ti­schen Mit­te end­lich die Erkennt­nis reift, dass die Poli­tik nicht danach zu fra­gen hat, was Kon­zer­ne, Lob­by­grup­pen und Super­rei­che wol­len, son­dern ein­zig, was dem rea­len Wohl der brei­ten Bevöl­ke­rung und ihrem Wunsch nach einem nor­ma­len Leben in Wür­de und in mate­ri­el­ler Sicher­heit dient.

Das ist die simp­le Wahr­heit: Ent­we­der erhal­ten die Ent­täusch­ten und Ver­lie­rer des Neo­li­be­ra­lis­mus in den west­li­chen Län­dern wie­der einen grö­sse­ren Anteil am gesell­schaft­li­chen Wohl­stand – oder sie wer­den end­gül­tig zum Fuss­volk des Faschismus.

Autor: Wal­ter Langenegger

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